Bäcker Potsdam, Kloster Lehnin, Brandenburg

Historie

Gründerzeit - Anfänge & Rückblick-Erinnerungen

Unsere Bäckerei wurde im Oktober 1878 in einer Zeit wirtschaftlichen Aufschwungs in Rädel /Bäckerweg 3-ehemals Dorfstr.- (OT Gemeinde Kloster Lehnin) von Albert & Louise Kirstein gegründet.

So wie in jener Zeit Tradition und wirtschaftlich gut überlegt, gehörte ein Kolonialwarenhandel dazu. Das war nicht nur die Verkaufsstelle der Bäckerei. Im Kolonialwarenladen wurden alle wichtigen Ereignisse des Dorfes, der Gemeinde ausgetauscht.

Zur Gründerzeit wurde Weizen und Roggen noch in eigener Landwirtschaft angebaut und zu Broten verarbeitet.
In dieser Zeit entstand auch das Rezept für unser inzwischen legendäres Mischbrot.
Die Weizen- und Roggensorten haben sich verändert, der Entwicklung wurde das Rezept angepasst, hat aber seinen Ursprung hat es in der Zeit von 1878.
Die Entwicklung unserer Bäckerei ist sehr eng mit den wirtschaftlichen und politischen Turbulenzen deutscher Geschichte verbunden.
Bis zum Ausgang des 19 Jahrhunderts wurde die Bäckerei durch die fleißige Arbeit von
Reinhard & Frieda Kirstein die Existenzgrundlage der Familie. Alles wurde mit sehr viel Herzblut selbst geschaffen, selbst finanziert und immer war es auch als Existenz für die kommenden Generationen gedacht.
Walter & Frieda Kirstein führten die Bäckerei in einer Zeit vieler technischen Erneuerungen, auch für das Bäckerhandwerk weiter.
Erlebnisse, Freud, Leid und manches Bangen, manche Aufgeregtheit waren in der Familie immer mit der Bäckerei verbunden.
Der am 12. Dezember 1937 geborene, heutiger Senior-Chef, Walter Kirstein schildert immer noch gern Folgendes: "Meine erste Erinnerung an ein Gefühl von Aufgeregtheit war der Tag, an dem eine Knetmaschine zu uns geliefert wurde...Das war ein spannendes Ereignis: wir konnten uns eine Knetmaschine kaufen....wer hatte das damals schon?"
Die Kirsteins waren immer ein Familienbetrieb.
Der Vater - der Meister - und die Mutter verkaufte im Kolonialwarenladen Brot & Brötchen.
Als Vater Walter Kirstein 1943 in den Krieg musste, wurde auch die Bäckerei geschlossen.
Er wurde in Lettland als vermisst gemeldet und kam nicht wieder....

Die Situation war nach dem Krieg für die Familie, vor allem für die Mutter Frieda sehr, sehr schwierig

Die Zeit mit Walter & Erika Kirstein

Die Bäckerei war bis dahin Familie, Existenz und ihr Leben. Wer sollte die Backstube weiterführen? Wer die Existenz der Familie sichern? Und, vor allem wie....?
Die Verantwortung für die Familie übernahm der heutige Seniorchef Walter Kirstein dann schon mit 13 ½ Jahren!
Er meldete sich am 7. Juli 1951 für die Bäckerlehre an.

Aus den Erinnerungen des Seniorchefs:

"Ab diesem Zeitpunkt habe ich dann den Sauerteig gemacht. Mutter hat noch einen Meister beschäftigt. Brotbacken war das Wichtigste und Nötigste. Brötchen und auch Kuchen backen ging erst viel später los......" Nur mit einem Meister durfte man auch schon zu jener Zeit einen Bäckereibetrieb führen. Mutter Frieda erhielt nur eine Gewerbegenehmigung auf Zeit. Also, musste Walter Kirstein seine Lehre vorzeitig abschließen. Er bestand die Gesellenprüfung mit Auszeichnung.

Lutz Kirstein -Sohn, Inhaber & Chef der Landbäckerei-:

"Man stelle sich vor, dass mein Vater mit 16 (!) Jahren viele Monate ganz allein in der Backstube stand, Brot gebacken hat. Erst nach 3 Jahren konnte er seine Meisterprüfung absolvieren. Mit 19 war er dann Meister. Buchstäblich auf seinen Schultern lag die Existenz der Familie. Oma Friedas Kraft, Vaters Mut, seinem Eifer, seinem Willen voranzukommen haben den Boden für die heutigen Kirstein-Generationen gelegt."

Noch eine Erinnerung & Rückblende: Liebesknochen und Hefekuchen

Nach Abschaffung der Lebensmittelmarken 1958 war es möglich auch ein Kuchensortiment zu entwickeln: der traditionelle Hefekuchen auf dem Blech entstand: er wird auch heute noch gebacken. Aber Vater Walter weiß noch eine ganz andere Geschichte zu berichten: "Gegen Abgaben von 8 Eiern und 250g Schmalz haben wir 40 Liebensknochen gebacken und sie für 2,31 Mark abgegeben...." In den folgenden Jahren standen Erika und Walter Kirstein immer eng zusammen. Walter Kirstein heiratete seine Erika 1963. Sie wurde der Mittelpunkt der Familie, hielt das Geschäft zusammen, wurde unentbehrlich.

Eine neue Zeit mit Lutz & Stephanie Kirstein

- ein Team mit Vater Walter - Familie Kirstein junior -

Als Inhaber und Chef der Landbäckerei muss Lutz Kirstein oft die Frage beantworten, ob er auch einen anderen Beruf hätte wählen wollen. Die Antwort ist: "Nein". Auch er ist praktisch in der Bäckerei aufgewachsen. Seine Liebe galt aber mehr dem Konditorenhandwerk. 1983 beendete er seine Lehre als Konditor und 1986 erhielt er erfolgreich den Meisterabschluss. ....so wie es die Kirsteins immer gehalten haben entwickelten Vater Walter und Sohn Lutz dann als Team, mit viel Fleiß und einem guten Gespür fürs Geschäft ihre Bäckerei weiter. Lutz arbeitete 20 Jahre "unter seinem Vater", war bei ihm angestellt.

Seit 2004 führt er die Geschäfte, die Entwicklung der Landbäckerei. Sein Vater Walter hat ihm versprochen auch 20 Jahre "unter ihm" zu arbeiten.

Unter Führung von Lutz Kirstein und seinen unternehmerischen Entscheidungen konnte sich die Bäckerei in Werder mit ihren Geschäften an der B1 und im Umland durchsetzen. Lutz Kirstein: "Die Positionierung und Entwicklung unserer Geschäfte war immer durch Vorausschau und durch eine Risikobereitschaft geprägt." Lutz Kirstein ist nicht "nur" Konditor und Bäcker.

Seine Zeit ist durch unternehmerische Entscheidungen geprägt, sich neuen Produktionsfragen zu stellen und immer offen für neue Verkaufsstrategien zu sein: das Café in Lehnin wurde umgebaut, Verkaufswagen fahren übers Land, auf Märkte ist die Landbäckerei vertreten.....

Dennoch bleibt der Firmenchef in einem Punkt der Generations-Philosophie treu: dem Reinheitsgebot: ohne Zusatzstoffe & traditionelles Backen nach vererbten Rezepten.

Die Frauen der Kirsteins hielten über Generationen ihre Familien zusammen. Stephanie Kirstein, arbeitet als Ehefrau nicht nur mit. Sie führt das Büro, hält ihrem Mann den Rücken frei und ist für die gemeinsamen drei Töchter immer der erste Ansprechpartner.

Die Landbäckerei bleibt auch weiterhin ein Familienbetrieb.
Tochter Lena möchte im September eine Konditorlehre beginnen.
Dann wird die Geschichte der Landbäckerei Kirstein mit einer neuen Genration weitergeschrieben.